Burn-Out, also das „Ausgebrannt sein“, sei eine häufig verbreitete Diagnose in Deutschland und eine Hauptursache für Arbeitsunfähigkeit, berichtet Hornung. In der Bundesrepublik würden etwa neun Millionen Menschen Anzeichen von Burn-Out zeigen. Gerade im Alter von circa 25 bis 55 Jahren sei die Mehrfachbelastung durch Familie, Arbeit, Hobbies oder soziale Engagements hoch. Weniger bekannt sei dagegen Burn-On, merkt die Heilpraktikerin für Psychotherapie an. Definiert wird das Syndrom als eine chronische Dauererschöpfung, bei der parallel die Arbeitsleistung aufrechterhalten wird. Es ist als Vorstufe zum Burn-Out zu verstehen.
Anzeichen für Burn-On gebe es einige, erzählt die Frauen-Coachin: „Die Erschöpfungsspirale bahnt sich meist über viele Jahre an.“ Zu den Symptomen von Dauerstress würden beispielsweise anhaltende Kopf- und Schulterschmerzen zählen, ebenso wie Schlafprobleme oder das Gefühl von anhaltender Energielosigkeit und Erschöpfung. Weitere Folgen könnten Kreislaufprobleme, hoher Blutdruck oder auch Zähneknirschen sein. Betroffene würden zudem häufig ihre sozialen Kontakte reduzieren, weil ihnen die Energie dafür fehle, so die Gesprächs-Therapeutin: „Der Körper steht unter Daueranspannung.“ Viele dieser körperlichen Warnsignale werden von den Betroffenen aber oft erstmal nicht akzeptiert und verärgert abgetan: „Das Leisten wird allem anderen übergeordnet.“
Hornung beschreibt Burn-On als das Leben zwischen zwei Extremen: Exzessiver Arbeit auf der einen Seite und kompletter Erschöpfung in der Freizeit auf der anderen Seite. Die Motivation aktiv zu werden, sei oft nicht mehr vorhanden: „Als ob die Willenskraft aufgebraucht ist.“ Lediglich Deadlines oder andere zeitliche Verpflichtungen würden oft noch eingehalten, stellt die Fachheilpraktikerin fest. Die Menschen würden in starren Verhaltensmustern agieren und ihre Energie regelmäßig überstrapazieren: „Die Kraft im Körper rutscht ständig ins Minus.“
Die Frauen-Coachin berichtet von einem typischen Beispiel von Burn-On: Eine Klientin habe ihr von ständigen Kopfschmerzen ohne ärztlichen Befund berichtet, die trotz verschiedener Behandlungen nicht besser werden würden. Zusätzlich habe die Frau seit Wochen regelmäßig Schmerzmittel eingenommen, um verschiedene körperliche Symptome nicht mehr zu fühlen. Auf Rückfragen der Gesprächs-Therapeutin habe sie diese Aktionen verteidigt und sich gegen Pausen am Arbeitsplatz ausgesprochen. „Solche Geschichten erlebe ich tagtäglich im Praxisalltag“, ergänzt Hornung.
Wichtig für die Behandlung sei es, sich den Symptomen und Folgen von Burn-On zunächst bewusst zu werden, erläutert die Frauen-Coachin. Betroffene müssten ehrlich mit sich sein und ihr Verhalten reflektieren, beispielsweise über das regelmäßige Notieren ihrer Wahrnehmungen (Journaling) oder Veränderungen im Tagesablauf. Dazu gehören beispielsweise klare Pausen über den Tag verteilt, in denen nicht gearbeitet wird: „Wichtig ist, die Leistungslogik zu unterbrechen und sich mit den eigenen Werten auseinanderzusetzen.“ Ein weiterer Schritt sei zudem die Schaffung einer gesunden Schlafhygiene.
In ihrer Praxis begleite sie speziell Frauen beim Prozess der Bewusstwerdung und stehe beratend zur Seite, gibt Hornung an. Mit verschiedenen Methoden würden sogenannte Grübel-Schleifen identifiziert und bearbeitet. Das Loslassen von Aufgaben zu lernen sei ebenso sinnvoll. Oftmals würden die Menschen glauben, „wenn ich das nicht erledige, macht es kein anderer“, meint die Fachheilpraktikerin. Das verschärfe die persönliche Belastung im Beruf und sorge für Druck. „Parallel genutzte Achtsamkeitstrainings haben sich als sehr wirksam erwiesen“, teilt Hornung mit. Die Teilnehmerinnen würden in den Kursen vieles für den eigenen Alltag mitnehmen und sich durch Übungen an die eigenen Werte erinnern.
